SWR, Montag, 5.11.2018 15:15 - 16:00 Uhr
Wie man einen Stein meißelt
Der vorgestellte Steinmetz heißt Frank Steinhauer, und das ist kein Scherz. „Wenn man so heißt, kann man kein Bäcker werden“, meint er. Er arbeitet bei der renommierten Firma Sauer in Budenheim bei Mainz. Hier werden die unterschiedlichsten Natursteinarbeiten durchgeführt: von Küchenarbeitsplatten aus Granit bis zu künstlerischen Skulpturen im Kundenauftrag.
Steinhauer hat sein Handwerk in Bad Kreuznach gelernt, seine Gesellenzeit verbrachte er in der Pfalz. Den Meister absolvierte er in Freiburg, wo er auch eine Ausbildung als staatlich geprüfter Gestalter in Steintechnik absolvierte. Nach seiner Meistertätigkeit bildete er sich fort zum Restaurator im Steinmetzhandwerk. Bei der Firma Sauer ist er Bauleiter und Ansprechpartner in allen technischen Fragen. Das Steinmetzhandwerk hat sich stark gewandelt. Allein mit Knüpfel und Meißel arbeitet heute keiner mehr, computergesteuerte CNC-Steinsägen erleichtern längst die Arbeit. Doch das traditionelle Handwerk ist unverzichtbar, gerade, wenn es um Restaurierungsarbeiten geht. Die Firma Sauer aus Budenheim bei Mainz ist spezialisiert auf Steinrestaurierungen, z.B. an Kirchen und historischen Fassaden. Hier spielt das Wissen um das Material und alte Bautechniken eine große Rolle. Frank Steinhauer kennt jede Facette seines Berufs. An einer stark verwitterten Sandsteinfassade eines Hauses aus der Gründerzeit in der Mainzer Neustadt zeigt er, welche Aufgaben ein Steinmetz heute zu bewältigen hat. Er nimmt die Schäden an den kunstvoll gestalteten Fassaden auf und entscheidet, welche Teile ausgebessert und welche neu gearbeitet werden müssen. Er weiß, aus welchem Steinbruch er genau diesen Sandstein bekommt. Entscheidend für die Bearbeitung des Sandsteins ist die Schichtung, die er mit geübtem Auge erkennt. Wird der Stein senkrecht zur Schichtung eingebaut, kann Wasser zwischen die Schichtung eindringen und den Erosionsprozess beschleunigen. Auch wenn viele Teile eines Balkonumlaufs heute maschinell aus dem Stein geschnitten werden können - die Nachbearbeitung per Hand ist gerade im Bereich der Denkmalpflege unumgänglich. Dann greift Frank Steinhauer wieder zu seinen Meißeln, zum Scharriereisen oder zum Zahneisen, zum Krönel und zum Riffelhammer, auch wenn der Hammer heute meist mit Pressluft betrieben wird.




Kreuznacher-Forum Copyright © Web-Design-Partner